Hausschwamm statt Harmonie, normalerweise eine Horrorvorstellung für jeden Hausbesitzer. Aber in der Fritschestraße 29A zeigt sich gerade, dass auch Krisen nicht zwangsläufig zu Nachbarschaftskrieg führen müssen.
Eine Wohnungseigentümergemeinschaft in Charlottenburg beweist: Mit den richtigen Menschen und dem richtigen Mindset lässt sich sogar ein Holzpilz konstruktiv angehen.
Der Notfall, der keiner wurde
Vor kurzem wurde in der denkmalgeschützten Altbauwohnung an der Fritschestraße ein Hausschwammbefall entdeckt, und nicht irgendein Befall, sondern einer mit statischen Auswirkungen1. Tragende Holzbalken waren beschädigt, zwei Wohnungen betroffen, sofortige Maßnahmen notwendig.
Das sind normalerweise die Szenarien, in denen Emotionen hochkochen, Vorwürfe fliegen und jeder Eigentümer in die Defensive geht. Nicht so hier. „Was diese WEG unterscheidet, ist, dass hier alle daran interessiert sind, das Problem gemeinsam anzupacken", sagt Silvio Stein, der zuständige Verwalter von Matera Hausverwaltung.
Die unsichtbare Kraft eines guten Beirats
Ein großer Anteil des Erfolgs geht auf Herrn Zschäbitz zurück, Beiratsmitglied der WEG. Er hätte in dieser Situation durchaus die Gelegenheit gehabt, Vorwürfe zu formulieren, stattdessen hat er aktiv geholfen, die Kommunikation zu versachlichen und pragmatische Lösungen zu ermöglichen.
Ruhige Erstinformation, Organisation eines Handwerkers, Unterstützung bei der Kommunikation mit betroffenen Eigentümern, lauter kleine Dinge, die zusammen große Wirkung zeigen. „Herr Zschäbitz hätte durchaus Vorwürfe formulieren können", würdigt Stein das Engagement. „Stattdessen hat er aktiv geholfen, Ruhe in die Kommunikation zu bringen und pragmatische Lösungen zu ermöglichen."
Kleine Maßnahmen, große Wirkung
Doch die Fritschestraße 29A zeichnet sich nicht nur durch Krisenkommunikation aus. Im Alltag entstehen hier regelmäßig Ideen, die zeigen, wie nachbarschaftliches Leben funktionieren kann. Regenwasserbehälter im Innenhof sparen nicht nur Kosten, sondern senken auch den Ressourcenverbrauch.
Eine speziell eingerichtete Hundetoilette schützt die Straßenbäume, durch Lenkung statt Verbote, was sogar positive Aufmerksamkeit bei den örtlichen Behörden gebracht hat. Ein jährliches Nachbarschaftsfest verbindet die Bewohner untereinander und mit der unmittelbaren Umgebung in Charlottenburg.
Was Verwaltung wirklich bedeutet
Moritz Himmelreich, Geschäftsführer von Matera, bringt es auf den Punkt: „Verwaltung bedeutet nicht nur Abrechnung und Protokollführung. Unsere Aufgabe ist es, Strukturen zu schaffen, in denen konstruktive Lösungen möglich werden."
Die Fritschestraße 29A ist kein Märchen und auch keine Utopie. Es ist ein Beispiel aus Charlottenburg, das zeigt, wie sich der Bezirk im Alltag zusammenhält, jenseits der nüchternen Zahlen aus der Demografie in Charlottenburg-Wilmersdorf: WEG-Leben muss nicht aus Rechnungen, Diskussionen und Konflikten bestehen. Es kann auch anders gehen, mit den richtigen Menschen, dem richtigen Mindset und dem Willen, Dinge zusammen anzupacken.