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10 berühmte Personen aus Charlottenburg-Wilmersdorf: Preußenkönigin bis Ku'damm-Entertainer

Von der ersten preußischen Königin bis zum Entertainer am Kurfürstendamm

Von Katrin Thalheim | 18. Juni 2026
10 berühmte Personen aus Charlottenburg-Wilmersdorf: Preußenkönigin bis Ku'damm-Entertainer © Thomas Brückner

Charlottenburg-Wilmersdorf ist der Bezirk der City West, und das merkt man seiner Geschichte an. Hier residierte eine Königin, hier forschten Physiker an der Reichsanstalt, hier wohnten Schriftsteller in den Villenkolonien rund um den Grunewald, und hier liegt mit dem Kurfürstendamm bis heute die glamouröseste Bühne Berlins. Wer den Bezirk verstehen will, kommt an den Menschen nicht vorbei, die ihn geprägt haben und die er geprägt hat.

Diese Liste konzentriert sich auf Persönlichkeiten, deren Bezug zu Charlottenburg oder Wilmersdorf dokumentiert und belegbar ist, durch eine Wohnadresse, ein Bauwerk, eine Gedenktafel, ein Museum oder ein Grab. Sie reicht von Sophie Charlotte, der Namensgeberin von Schloss und Bezirk, über die Künstler und Schriftsteller der Weimarer Jahre bis zu den großen Namen der westdeutschen Unterhaltung. Manche wurden hier geboren, andere haben hier ihr wichtigstes Werk geschaffen, wieder andere sind mit dem Bezirk so verwachsen, dass man sie sich anderswo kaum vorstellen kann.

Was dich erwartet

1. Sophie Charlotte von Hannover (1668 bis 1705)

Sophie Charlotte, erste Königin in Preußen und Namensgeberin des Bezirks.
Sophie Charlotte, erste Königin in Preußen und Namensgeberin des Bezirks. Foto: Unbekannter Künstler / Wikimedia Commons (gemeinfrei)
  • Lebensdaten: 1668 bis 1705
  • Funktion: Erste Königin in Preußen
  • Bezirks-Bezug: Namensgeberin von Schloss und Bezirk Charlottenburg
  • Spuren heute: Schloss Charlottenburg, ältestes erhaltenes Schloss Berlins

Sophie Charlotte ist der Name, der dem ganzen Bezirk seinen Namen gegeben hat. Als Gemahlin des Kurfürsten Friedrich III., des späteren ersten preußischen Königs, erhielt sie 1695 das Gut Lietzow und ließ dort von Johannes Arnold Nering eine Sommerresidenz errichten, das Schloss Lietzenburg. Die kunstsinnige Königin machte ihren Hof zu einem Zentrum von Musik, Philosophie und Wissenschaft und stand in regem Austausch mit Gottfried Wilhelm Leibniz.1

Nach ihrem frühen Tod 1705 benannte der König Schloss und umliegende Siedlung ihr zu Ehren in Charlottenburg um. Aus der kleinen Schlosssiedlung wurde im 18. und 19. Jahrhundert eine eigene Stadt, die 1920 nach Groß-Berlin eingemeindet wurde. Das Schloss Charlottenburg ist heute das größte und älteste erhaltene Schloss der Stadt und das bauliche Herzstück des Bezirks.

2. Hermann von Helmholtz (1821 bis 1894)

Hermann von Helmholtz, erster Präsident der Reichsanstalt in Charlottenburg.
Hermann von Helmholtz, erster Präsident der Reichsanstalt in Charlottenburg. Foto: Unbekannt / Wikimedia Commons (gemeinfrei)
  • Lebensdaten: 1821 bis 1894
  • Funktion: Physiker und Physiologe
  • Bezirks-Bezug: Erster Präsident der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt in Charlottenburg
  • Spuren heute: Gedenktafel am Standort der früheren Reichsanstalt

Hermann von Helmholtz war einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler des 19. Jahrhunderts, ein Universalgelehrter zwischen Physik, Physiologie und Mathematik. Auf seine Initiative ging gemeinsam mit Werner von Siemens und Wilhelm Foerster die Gründung der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt zurück, der ersten staatlichen Forschungseinrichtung ihrer Art. 1888 wurde Helmholtz ihr erster Präsident.2

Die Reichsanstalt entstand in Charlottenburg, das damals zum Wissenschaftsstandort im Westen Berlins ausgebaut wurde, in unmittelbarer Nähe zur Technischen Hochschule. Eine Gedenktafel am früheren Standort erinnert bis heute an Helmholtz und seine Rolle. Die Einrichtung lebt als Physikalisch-Technische Bundesanstalt mit einem Institut in Berlin bis heute fort.

3. Erich Mendelsohn (1887 bis 1953)

Erich Mendelsohn, Architekt des Universum-Kinos am Kurfürstendamm.
Erich Mendelsohn, Architekt des Universum-Kinos am Kurfürstendamm. Foto: Unbekannt / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)
  • Lebensdaten: 1887 bis 1953
  • Funktion: Architekt der Moderne
  • Bezirks-Bezug: Erbauer des WOGA-Komplexes mit dem Universum-Kino in Wilmersdorf
  • Spuren heute: Schaubühne am Lehniner Platz, Kurfürstendamm

Erich Mendelsohn war einer der wichtigsten Architekten der klassischen Moderne und prägte mit seinen geschwungenen, dynamischen Formen das Bild des modernen Berlin. Zwischen 1925 und 1931 errichtete er am Lehniner Platz in Wilmersdorf den WOGA-Komplex, ein städtebauliches Ensemble aus Wohnhäusern, Läden und einem Kino. Das Universum-Kino mit seiner markanten Rundung galt als eines der ersten modernen Lichtspielhäuser der Welt.3

Mendelsohn musste 1933 als Jude emigrieren, sein Berliner Werk aber blieb. Das frühere Universum-Kino am Kurfürstendamm wurde Ende der siebziger Jahre zur Schaubühne am Lehniner Platz umgebaut, einem der renommiertesten Theater Deutschlands. Damit gehört Mendelsohns Bau bis heute zu den lebendigsten Adressen der City West.

4. Vicki Baum (1888 bis 1960)

Vicki Baum, Schriftstellerin und Bewohnerin Wilmersdorfs.
Vicki Baum, Schriftstellerin und Bewohnerin Wilmersdorfs. Foto: Max Fenichel / Wikimedia Commons (gemeinfrei)
  • Lebensdaten: 1888 bis 1960
  • Funktion: Schriftstellerin und Journalistin
  • Bezirks-Bezug: Wohnte 1926 bis 1931 in der Königsallee in Wilmersdorf
  • Bekannt für: Den Roman Menschen im Hotel, geschrieben in Wilmersdorf

Vicki Baum gehörte zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen der Weimarer Republik. Von 1926 bis zu ihrer Emigration in die USA 1931 wohnte sie in der Königsallee 45 in Wilmersdorf, am Rand der Grunewalder Villenkolonie. In diesen Jahren entstand ihr berühmtestes Werk, der 1929 erschienene Roman Menschen im Hotel.4

Das Buch wurde ein Welterfolg und 1932 in Hollywood mit Greta Garbo verfilmt. Eine Berliner Gedenktafel am Haus Königsallee 45 erinnert an die Jahre, in denen Vicki Baum in Wilmersdorf lebte und schrieb. Sie steht damit für die literarische Blütezeit, die der Bezirk in den zwanziger Jahren erlebte.

5. George Grosz (1893 bis 1959)

George Grosz, um 1930, Maler und Bewohner Wilmersdorfs.
George Grosz, um 1930, Maler und Bewohner Wilmersdorfs. Foto: Unbekannt / Wikimedia Commons (gemeinfrei)
  • Lebensdaten: 1893 bis 1959
  • Funktion: Maler und Zeichner
  • Bezirks-Bezug: Wohnte ab 1920 in der Trautenaustraße in Wilmersdorf
  • Spuren heute: Gedenktafel am Savignyplatz 5, wo er 1959 starb

George Grosz war der schärfste zeichnerische Chronist der Weimarer Republik, ein Satiriker, der die Brutalität und Dekadenz der Gesellschaft seiner Zeit gnadenlos aufs Papier brachte. Ab 1920 wohnte er mit seiner Familie in der Trautenaustraße in Wilmersdorf, wo er bis zu seiner Emigration in die USA 1933 lebte und arbeitete.5

Nach Jahrzehnten in Amerika kehrte Grosz 1959 nach Berlin zurück und starb noch im selben Jahr in einem Haus am Savignyplatz 5 in Charlottenburg. Eine Bronzetafel am Savignyplatz erinnert an ihn, sie zeigt ihn pfeiferauchend zwischen Figuren seiner Zeichnungen. Der Bezirk markiert damit Anfang und Ende seines Berliner Lebens.

6. Friedrich Hollaender (1896 bis 1976)

Friedrich Hollaender, Komponist am Theater des Westens.
Friedrich Hollaender, Komponist am Theater des Westens. Foto: Fotoatelier Zander & Labisch, Berlin / Wikimedia Commons (gemeinfrei)
  • Lebensdaten: 1896 bis 1976
  • Funktion: Komponist und Kabarettist
  • Bezirks-Bezug: Gründete 1931 das Tingel-Tangel-Theater im Theater des Westens
  • Bekannt für: Die Filmmusik zu Der blaue Engel

Friedrich Hollaender war der musikalische Kopf des Berliner Kabaretts der zwanziger Jahre und schrieb mit Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt einen der berühmtesten Songs seiner Epoche. 1931 gründete er das Tingel-Tangel-Theater im Untergeschoss des Theater des Westens in Charlottenburg, einer der wichtigsten Bühnen der City West.6

Auf dieser Bühne brachte er bissige, politisch scharfe Revuen heraus, deren Chansons unter anderem Marlene Dietrich sang. Als Jude musste Hollaender 1933 Deutschland verlassen und ging über Paris nach Hollywood. Das Theater des Westens an der Kantstraße steht bis heute und gehört zu den prägenden Kulturbauten des Bezirks.

7. Erich Kästner (1899 bis 1974)

Erich Kästner, 1961, langjähriger Bewohner Charlottenburgs.
Erich Kästner, 1961, langjähriger Bewohner Charlottenburgs. Foto: Anefo / Basch / Wikimedia Commons (CC0)
  • Lebensdaten: 1899 bis 1974
  • Funktion: Schriftsteller
  • Bezirks-Bezug: Wohnte 1929 bis 1944 in der Roscherstraße in Charlottenburg
  • Bekannt für: Emil und die Detektive, geschrieben in Berlin

Erich Kästner zog 1929, im Jahr seines Romandebüts, in seine erste eigene Wohnung in der Roscherstraße 16 in Charlottenburg, nahe dem Lehniner Platz am Kurfürstendamm. Hier wohnte er bis Februar 1944, als das Haus bei einem Bombenangriff ausbrannte. In diesen Jahren entstand ein Großteil seines Werks.7

Während der NS-Zeit, in der seine Bücher verbrannt wurden, blieb Kästner in Berlin und führte in seiner Charlottenburger Wohnung heimlich Aufzeichnungen über den Alltag im Dritten Reich. Eine Berliner Gedenktafel erinnert an seine Jahre in der Roscherstraße. Sein Charlottenburger Wohnviertel war für ihn ein Rückzugsort in feindlicher Umgebung.

8. Heinz Berggruen (1914 bis 2007)

Heinz Berggruen, 2000, Kunstsammler und gebürtiger Wilmersdorfer.
Heinz Berggruen, 2000, Kunstsammler und gebürtiger Wilmersdorfer. Foto: Oliver Mark / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
  • Lebensdaten: 1914 bis 2007
  • Funktion: Kunstsammler und Galerist
  • Bezirks-Bezug: Geboren in der Konstanzer Straße in Wilmersdorf
  • Spuren heute: Museum Berggruen gegenüber dem Schloss Charlottenburg

Heinz Berggruen wurde 1914 in der Konstanzer Straße in Wilmersdorf geboren. Als Jude musste er 1936 emigrieren und baute im Exil, vor allem in Paris, eine der bedeutendsten privaten Sammlungen der klassischen Moderne auf, mit Schwerpunkten bei Picasso, Klee, Matisse und Giacometti.8

1996 brachte Berggruen seine Sammlung als Versöhnungsgeste in seine Geburtsstadt zurück. Sie ist heute im Museum Berggruen untergebracht, einem der Stüler-Bauten direkt gegenüber dem Schloss Charlottenburg. Damit kehrte der gebürtige Wilmersdorfer mit seinem Lebenswerk in den Bezirk zurück, in dem er aufgewachsen war.

9. Hildegard Knef (1925 bis 2002)

Hildegard Knef, Schauspielerin und Bewohnerin Charlottenburgs.
Hildegard Knef, Schauspielerin und Bewohnerin Charlottenburgs. Foto: Eric Koch für Anefo / Wikimedia Commons (CC0)
  • Lebensdaten: 1925 bis 2002
  • Funktion: Schauspielerin, Sängerin und Autorin
  • Bezirks-Bezug: Wohnte in den achtziger Jahren in der Clausewitzstraße in Charlottenburg
  • Spuren heute: Heiratete 1977 im Standesamt Charlottenburg

Hildegard Knef war einer der wenigen deutschen Filmstars von internationalem Rang und zugleich eine erfolgreiche Chansonsängerin und Schriftstellerin. Nach Jahren in Hollywood und Wien kehrte sie in den siebziger Jahren nach Berlin zurück. 1977 heiratete sie im Standesamt Charlottenburg, und in den achtziger Jahren wohnte sie in der Clausewitzstraße in Charlottenburg.9

Knef war zeitlebens eng mit dem westlichen Berlin verbunden, das sie in vielen ihrer Lieder besang. Sie starb 2002 in ihrer Heimatstadt Berlin. Mit ihren Wohnadressen und ihrer Hochzeit gehört sie zu den prägenden Gesichtern der City West der Nachkriegsjahrzehnte.

10. Harald Juhnke (1929 bis 2005)

Harald Juhnke, in Charlottenburg geborener Entertainer.
Harald Juhnke, in Charlottenburg geborener Entertainer. Foto: unbekannt (Originalporträt Juhnke) / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0 de)
  • Lebensdaten: 1929 bis 2005
  • Funktion: Schauspieler und Entertainer
  • Bezirks-Bezug: Geboren in der Städtischen Frauenklinik Charlottenburg
  • Spuren heute: Harald-Juhnke-Platz am Kurfürstendamm

Harald Juhnke war über Jahrzehnte einer der bekanntesten Entertainer der Bundesrepublik, ein Volksschauspieler zwischen Boulevardbühne, Fernsehshow und ernsthaftem Charakterfach. Geboren wurde er 1929 in der Städtischen Frauenklinik Charlottenburg. Ab den achtziger Jahren spielte er vor allem an den großen Bühnen der City West, etwa am Renaissance-Theater an der Hardenbergstraße und in der Komödie am Kurfürstendamm.10

Sein Leben war eng mit dem Bezirk verbunden, in dem er zur Welt kam und über Jahrzehnte auf der Bühne stand. 2025 wurde ihm zu Ehren der Harald-Juhnke-Platz an der Kreuzung von Kurfürstendamm, Grolmanstraße und Uhlandstraße eingeweiht. Damit trägt eine der prominentesten Adressen der City West seinen Namen.

Ausblick

Auffällig ist, wie eng sich die Geschichte dieses Bezirks mit der Kultur und der Wissenschaft verbindet. Charlottenburg-Wilmersdorf war nie der Ort der Industrie oder der großen Politik, sondern der Ort, an dem geforscht, geschrieben, gemalt, komponiert und gespielt wurde. Die City West war über Jahrzehnte das Schaufenster Berlins, und ihre Bühnen, Ateliers und Wohnungen haben mehr Biographien geformt, als eine solche Liste fassen kann.

Die hier genannten Personen sind durch konkrete Spuren mit dem Bezirk verbunden, durch Gedenktafeln, Bauwerke und Institutionen, die bis heute zu sehen sind. Vieles davon lässt sich bei einem Spaziergang über den Kurfürstendamm, durch die Villenstraßen von Grunewald oder vor dem Schloss Charlottenburg selbst entdecken. Wer mit offenen Augen durch den Bezirk geht, läuft auf Schritt und Tritt durch das Wohnzimmer dieser Geschichte.

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